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3 | 2015

Das E-Magazine der Techniker Krankenkasse

Mein Handy hat mich voll im Griff

Specials

Warum mich das Internet (hauptsächlich) glücklich macht.

Ja, ich gebe es zu: Eigentlich bin ich nahezu ständig online. Mein Handy geht mit auf Joggingrunde, beim Frühstück vibriert es neben dem Kaffeebecher, am Arbeitsplatz liegt es griffbereit und nachts hat es seinen Schlafplatz schon lange ganz in meiner Nähe.

Und: Mir ist klar, mit diesem Verhalten mache ich mich “politisch angreifbar”. Meine Familie mokiert sich, die Kollegen wundern sich, allein Opa und Oma erkundigen sich immerhin noch sehr interessiert nach dem kleinen technischen Wunderding.

“Leg doch das Teil mal beiseite”, “Es muss doch auch mal ohne gehen”, “Was guckst Du denn nun schon wieder nach?” Während anderswo meist der jugendliche Nachwuchs ermahnt wird, muss ich mir im “hohen Alter” von bald 50 Jahren ins Gewissen reden lassen.

Ich bin überrumpelt worden

Das digitale Zeitalter hat mich quasi überrumpelt. Immerhin habe ich die erste Hälfte meines Lebens ja auch sehr gut analog bewältigt. Das Wählen einer Telefonnummer brachten mir meine Eltern an einer widerspenstigen Drehscheibe bei. Wollte ich telefonieren, war ich mit einem verkorkst verdrehten Kabel an den Standort gebunden. Um eine Telefonnummer herauszubekommen, rief man bei der Auskunft an. Und Wissen, das ich fürs Abitur oder im Job benötigte, habe ich mir in Archiven und im guten alten Brockhaus angelesen.

Heute, also knapp 25 Jahre später, können wir alles jederzeit im Internet herausbekommen. Einmal kurz googeln – und schon ist die Information da. Die Fahrt in den Urlaub planen – mein Handy-Navi kennt den Weg. Wie hieß noch mal der Schauspieler am Thalia Theater, den ich so toll finde? Keine Minute später – und ich weiß es.

 

Die Möglichkeiten faszinieren

Die Faszination für das, was im World Wide Web alles möglich ist, übermannt mich auch heute noch oft. Tief beeindruckt berichte ich gern darüber, was ich runtergeladen, empfangen, geliked, gescannt oder gescrollt habe. Und Achtung: Genau daran erkennen echte “Digital Natives” den (ahnungslosen) Mitläufer. Ich versuche eben nur mitzuhalten und irgendwie mitzumischen. Damit ich nicht irgendwann abgehängt bin, gar nicht mehr weiß, wovon die Rede ist.

Einen Account auf Facebook habe ich wirklich nur eingerichtet, um den Kindern im Ausland ein wenig näher zu sein. Die beiden sind längst wieder da, aber ich habe mich inzwischen etabliert zwischen schönen, poetischen und weniger lustigen Posts. Herrlich, wen ich so wiedergefunden habe und nun digital als Freund archivieren kann.

Im tiefsten Innern bin ich wirklich nicht so “digital” und hipster wie mein Umfeld denkt. Heimlich rechne ich öfter mal den Euro-Preis in D-Mark um und bin empört, wie teuer eine Kugel Eis heute sein kann. “Das wären ja 5 Mark”, entfuhr es mir neulich und meine Töchter fanden es superpeinlich.

Seit 1991 erprobe ich mich online und lerne ehrlich gesagt täglich dazu. Meinem Smartphone sei Dank – denn es ist immer bei mir, nimmt mir nichts krumm, und mahnt auch nichts an.

Die Selbstbestimmung macht’s

Ja, ich bin sehr oft im Netz. Muss ich mir deshalb Sorgen machen? Bin ich womöglich schon online-süchtig? Wenn’s mir zu viel wird in meinen WhatsApp-Gruppen, in denen Fotos, Termine und Standorte ausgetauscht werden, klinke ich mich einfach aus. Und schalte mich erst wieder dazu, wenn schon eine Entscheidung steht. Ich bestimme also selbst, wie oft und mit wie vielen Beiträgen ich mitdiskutiere. Es darf auch gern mal weniger sein. Genauso selbstbestimmt und verantwortlich sollte ich auch auf anderen Kanälen verfahren. Mein Umfeld würde es mir vermutlich danken. Ich arbeite daran, ich schwör’s!

von Britta Surholt

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