Inhalt Alle Ausgaben
3 | 2015

Das E-Magazine der Techniker Krankenkasse

Ohne Respekt läuft nichts

Specials

Wenn Menschen ihre Handys in der Öffentlichkeit nutzen, machen sie Mitmenschen oft zwangsläufig zu Teilhabern ihrer Kommunikation. Auch in der S-Bahn in Hamburg kann man dabei allerlei Interessantes erleben …

Ein Dienstagmorgen im Spätsommer. Es ist kurz nach acht Uhr. Der Bahnsteig am S-Bahnhof Hamburg-Bergedorf ist rappelvoll mit Menschen. Na klar. Es ist Rushhour. Man jagt zur Arbeit in Richtung City der Hansestadt. Auch mein Abteil ist gut gefüllt. Der Zug fährt an. Und schnell merke ich – ich bin umzingelt. Direkt am Fenster eine junge Frau russischer Herkunft, vermute ich. Sie guckt starr durch die Scheibe und hat ihr Handy am Ohr. Sie scheint mit ihrer Mama in Russland zu telefonieren. Dezent zwar, aber bestimmend und – in einem fort. Man könnte gut zuhören, wenn man der russischen Sprache mächtig wäre. Bin ich aber nicht.

Wenn der Tastaturton nervt

Trotzdem. Langweilig wird mir nicht, denn für Ablenkung ist gesorgt. Weil, mir schräg gegenüber, eine Studentin die russische Unterhaltung mit einem gleichbleibenden, immer wiederkehrenden Handyton untermalt. Dieser Ton würde auch entstehen, wenn man die Lippen zusammenpresst und dann den Mund schnell öffnet. Immer wieder und immer wieder. Die Hochschülerin scheint auf dem Weg zur Uni schnell noch ein paar What’s-App-Nachrichten zu verfassen. Und: Sie hat dabei den Tastaturton nicht abgeschaltet. Gefühlt – oder besser gehört – bedient sie augenscheinlich ihren gesamten Freundeskreis. Denn der Zug ist jetzt schon einige Zeit unterwegs. Mit dem Marathongespräch der kommunikativen Russin gegenüber hält sie allemal locker mit …

Handwerker macht Konkurrenz

Ab der Haltestelle Moorfleet bekommen beide Frauen starke Konkurrenz. Ein robuster Handwerker nimmt telefonierend bei uns Platz. Jetzt ist die Vierersitzbank komplett. Und  dieser Mitvierziger lässt es dann mit seiner sonoren Bassstimme und seinem Barmbeker Dialekt so richtig krachen. Vergessen und überstimmt sind Russin und Studentin. Denn nicht nur unsere gesamte kleine Sitzgruppe nimmt jetzt auch am Privatleben des Zimmermanns teil, sondern das gesamte S-Bahn-Abteil. Warum denn seine Frau gestern so verärgert über ihn gewesen sei; nur weil er so spät nach Hause gekommen ist. Und dass das nicht mehr vorkommen werde. Und sie möge ihm doch noch mal verzeihen. Und, und, und …

Nach knapp 30 Minuten Fahrt steige ich an der Haltestelle Berliner Tor aus. Mein Kopf  brummt. Denn die beiden Schüler, die am Ausstieg im Gang gestanden und laut über ihre bluetooth-gesteuerten Kopfhörer Musik von ihren Smartphones gehört haben, habe ich Ihnen ja noch gar nicht vorgestellt. So musste ich bei meiner Tour zur Arbeit in dieser kurzen Zeit fünf Menschen studieren und hätte vor dem Job eigentlich viel lieber ein wenig Ruhe gehabt.

Einfache Regeln helfen

Dieses Erlebnis ist heutzutage in der Öffentlichkeit für viele Menschen oft bezeichnend. Denn viel zu häufig wird man unfreiwillig zum Zuhörer von Kommunikation, weil einfache Regeln zum richtigen Umgang mit dem Handy nicht beherzigt werden. “Denn wer mobil telefonieren möchte, der sollte seine Mitmenschen eigentlich respektieren und sich höflich verhalten”, schreibt zum Beispiel das Informationszentrum Mobilfunk e. V. (IZMF) auf seinen Internetseiten. Dieser eingetragene und gemeinnützige Verein ist seit 2001 Ansprechpartner für Bürgerinnen und Bürger, Medien sowie öffentliche und private  Institutionen zum Thema Mobilfunk und veröffentlicht unter www.izmf.de unter anderem  Regeln für den richtigen Handygebrauch.

Übrigens bin auch ich an diesem besagten Tag auf meiner Tour zum Job aufgefallen. Denn als ich an der Haltestelle Berliner Tor zur U-Bahn gegangen bin, klingelte mein Handy. Ich blieb unvermittelt in der Menschenmenge stehen, um zu telefonieren, anstatt an den Rand zu treten und Platz zu machen. Und deshalb habe ich völlig unnötig für einen Stau vor der Rolltreppe zum Bahnsteig gesorgt, ohne es zu merken. Es ist eben niemand vollkommen …

von Peter Teschke