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3 | 2016

Das E-Magazine der Techniker Krankenkasse

„Always on“ stresst Deutschland

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Die ständige digitale Erreichbarkeit gehört in Deutschland zu den wichtigsten Stressfaktoren. Das zeigt auch die neue TK-Stressstudie, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Sommer dieses Jahr im Auftrag der Techniker durchgeführt hat.

Nach dem Job (46 Prozent), hohen Eigenansprüchen (43 Prozent), Termindichte in der Freizeit (33 Prozent) und Straßenverkehr (30 Prozent) steht der Stressfaktor „Always on“ mit 28 Prozent auf Rang 5 in dieser repräsentativen Befragung. Dabei sind vor allem Berufstätige betroffen: Drei von zehn Beschäftigten geben an, ihr Job erfordere, auch nach Feierabend oder im Urlaub erreichbar zu sein. Der Stresspegel liegt bei diesen Menschen besonders hoch. Denn laut Studie leidet 73 Prozent unter Stress und vier von zehn „Always on“-Beschäftigten stehen unter Dauerdruck.

Gerade Erwerbstätige sind betroffen

„Die Digitalisierung, die Globalisierung der Märkte und der Anspruch der Kunden, rund um die Uhr alles erledigen zu können, haben unsere Arbeitswelt in den letzten Jahren deutlich verändert. Den Beschäftigten wird deutlich mehr Flexibilität abverlangt. Wenn aber fast 30 Prozent der Erwerbstätigen sagen, dass sie auch nach Feierabend und im Urlaub erreichbar sein müssen, dann läuft in der Betriebsorganisation etwas falsch. Das spricht nicht für eine gesunde Unternehmenskultur“, erläuterte Dr. Jens Baas, Vorsitzender des TK-Vorstands bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

Und wie sorgt Deutschland für Ausgleich? Hobbies, Faulenzen, sich mit Freunden und Familie treffen stehen jeweils bei etwa sieben von zehn Befragten oben auf der Liste der liebsten Entspannungsstrategien. Spazieren gehen und Musik favorisieren jeweils sechs von zehn Erwachsenen, nur jeder Zweite treibt zum Ausgleich Sport. 36 Prozent engagieren sich ehrenamtlich, ein Drittel greift zur Flasche und entspannt mit Wein oder Bier. Nur 13 Prozent, Frauen deutlich häufiger als Männer, nutzen tatsächlich Entspannungsmethoden wie Yoga oder Autogenes Training.

Digitale Entspannung ist bei Jüngeren beliebt

Auf Platz zwölf landet die digitale Entspannung. Knapp 30 Prozent der Befragten geben an, sie suchen bei Computerspielen oder in sozialen Netzwerken nach Ausgleich. Peter Wendt, bei der TK verantwortlich für die Umfragen: „Das klingt zunächst nach einem kleineren Anteil. Die Stressstudie offenbart allerdings eklatante Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Bei den 18- bis 39-Jährigen ist es fast jeder Zweite, der seinen Feierabend gern online verbringt, bei den 40- bis 59-Jährigen nur noch knapp jeder Vierte und bei den ab 60-Jährigen nur noch gut jeder Siebte.“ Zumindest für diejenigen, die schon ihren Arbeitstag vor dem Bildschirm verbringen, ist das keine Strategie, die die Techniker empfehlen würde. Denn wenn man seinen Feierabend in der gleichen passiven Haltung vor dem flimmernden Bildschirm verbringt wie zuvor den Arbeitstag, ist das natürlich kein Ausgleich.

Die wichtigsten Ergebnisse dieser Studie sind in einem 52-seitigen Studienband zusammengefasst, der unter www.tk.de heruntergeladen werden kann.