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3 | 2016

Das E-Magazine der Techniker Krankenkasse

Ein Indianer kennt keinen Schmerz

Wäre das tatsächlich so, täte dies dem Indianer auf Dauer gar nicht gut. Denn als Alarmsignal des Körpers ist der Schmerz überlebenswichtig. Zumindest, wenn er akut ist. Die "chronische Variante" hingegen ist oft Teil eines Teufelskreises, der die Gesundheit zunehmend beeinträchtigt.

Schon kleine Kinder lernen, was es heißt, Schmerzen zu haben. Kaum werden die ersten Schritte gemacht, steht schon mal der Tisch im Weg oder die Treppenstufe ist zu hoch. Akute Schmerzen sind zwar unangenehm, verschwinden jedoch normalerweise schnell wieder. Oftmals sind Schmerzen jedoch langwierig oder sie verselbstständigen sich sogar. Der Mediziner spricht in diesem Fall von chronischen Schmerzen.

Schmerzhaft erfahren

Das Empfinden von Schmerz  gehört zum sogenannten somatosensorischen System. Dieses besteht aus mehreren Sinnen wie etwa dem Tastsinn, dem Temperatursinn, dem Schmerzsinn und der Tiefensensibilität. Die entsprechenden Rezeptoren, über die wir diese mechanischen  Reize wahrnehmen, sind über den ganzen Körper verteilt. Und sie erfüllen durchaus lebenswichtige Aufgaben – unter anderem lassen sie uns eben auch Schmerzen empfinden. Die entsprechenden Schmerzrezeptoren heißen übrigens Nozizeptoren von “nocere” gleich “schaden”. Wird zum Beispiel die Haut verletzt, senden die Rezeptoren ihre elektrischen Signale, auch Aktionspotenziale genannt, ans Gehirn – so lange, bis die Ursache der Erregung abgestellt ist.

Von chronischen Schmerzen sprechen die Experten, wenn diese länger als drei bis sechs Monate andauern. Der Schmerz wird dann zu einer eigenständigen Erkrankung, auch “Schmerzkrankheit” genannt. In Deutschland leiden etwa 12 bis 15 Millionen Menschen, das ist bis zu einem Viertel der Bevölkerung, an chronischen Schmerzen. Besonders häufig sind Rücken- und Kopfschmerzen.

Das Gehirn vergisst nicht

Doch was passiert eigentlich genau bei chronischen Schmerzen? Wenn die Nervenzellen über eine längere Zeit immer wieder Schmerzimpulse empfangen – zum Beispiel bei nicht ausreichend behandelten akuten Beschwerden – verändern sie sich. Es werden vermehrt Rezeptoren gebildet, die schon bei schwachen Reizen oder sogar ganz ohne Schmerzimpuls Signale an das Gehirn senden. Der Schmerz brennt sich sozusagen ins Zentrale Nervensystem ein, es wird überempfindlich. Die Nervenzelle kann nicht mehr abschalten, es entwickelt sich das sogenannte Schmerzgedächtnis – der Schmerz hat seine Signalwirkung verloren.

Schlafstörungen sowie eine erheblich eingeschränkte körperliche und seelische Belastbarkeit sind die Folge. Die Betroffenen sind im Beruf nicht mehr leistungsfähig, oft kommt es sogar zu dauerhafter Arbeitsunfähigkeit und Depressionen.

Informationen, nützliche Adressen, Selbsthilfegruppen, ein “Schmerztelefon” und vieles mehr finden Sie bei der Deutschen Schmerzliga, www.schmerzliga.de. Mehr zum Thema Schmerz und wie man diesen behandeln kann, lesen Sie auch auf www.tk.de.