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3 | 2016

Das E-Magazine der Techniker Krankenkasse

Information Overload

Ich schaff das schon… Während wir den Pflichtanruf zu Schwiegermutters Geburtstag tätigen, öffnen wir schon mal E-Mails am Rechner und checken die neuesten WhatsApp-Nachrichten auf dem Handy. Parallel wird die Präsentation zusammengetackert und der Ordner für die nächste Sitzung sortiert. Dem Kollegen händigen wir parallel auch noch die Kabel für den Beamer aus. Alles auf einmal, möglichst alles ganz schnell. Unser Alltag ist wahnwitzig rasant geworden, und wir mischen ungebremst mit. Doch eines ist dabei ganz klar: Unser Gehirn ist für diese Belastung eigentlich nicht gemacht.

von Britta Surholt

Obwohl wir – wie schon dargestellt – mit einer Art Hochleistungsrechner im Kopf ausgestattet sind, unendlich belastbar ist dieser aber trotzdem nicht. „Es sind vor allem die permanenten Störungen und Unterbrechungen, die unsere Produktivität und langfristig unsere Aufmerksamkeit zerstören“, so Informatiker und Digitalisierungsforscher Alexander Markowetz. Im Rahmen einer großen Studie zur Smartphonenutzung an der Universität Bonn hat er herausgefunden, dass die intellektuelle Leistungsfähigkeit durch getriebenes, hektisch vollführtes Multitasking (zu Deutsch: dem Erledigen mehrerer Aufgaben gleichzeitig) immens leidet. „Das Gehirn ist einfach nicht dafür gemacht, eine Masse unterschiedlicher Aufgaben gleichzeitig zu erfassen und zu erledigen. Dadurch geraten wir in einen Teufelskreis, in dem uns dann sehr schnell das Gefühl übermannt, nichts mehr richtig zu schaffen. Je mehr wir auf einmal anfassen, desto weniger gelingt es schließlich, einen klaren Gedanken zu fassen. Und mit jeder neuen Ablenkung erreichen wir schließlich noch weniger.“

Gleichzeitige Mediennutzung verdoppelt sich seit 2006

Ein Gefühl, das Ihnen bekannt vorkommt? Kein Wunder. Denn den digitalen Versuchungen durch Handy und Co. erliegen heute auch schon Kinder und Jugendliche. Alle 18 Minuten wird durchschnittlich von jedem Smartphonebesitzer aufs Handy geschaut, um nachzuprüfen, ob neue Nachrichten, Fotos oder Mails eingegangen sind. Die gleichzeitige Nutzung mehrerer Medien – etwa des Handys, des PCs, eines Videospiels oder des TVs – hat sich in den vergangenen zehn Jahren nahezu verdoppelt. Ein erschreckendes Verhalten. Denn dem Gehirn wird somit geradezu antrainiert, nur noch kurze Aufmerksamkeitsspannen zu bewältigen. Die Folge: Man fühlt sich zunehmend gestresst, gerät unter Druck.

Jede Störung schmälert die Leistung

Jede Unterbrechung des Arbeitsrhythmus, so haben Wissenschaftler herausgefunden, schmälert die Arbeitsleistung – oder besser gesagt den „Output“. Schließlich muss beim Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben und Medien immer wieder aufgearbeitet und neu gestartet werden: Durchschnittlich 15 Minuten Zeit nimmt dieser Wiedereinstieg in die eigentliche Aufgabe in Anspruch. Ein enormes Zeitkontingent, das beim „Multitasking” somit mehr oder weniger verpufft.

Um das Gehirn in einen Konzentrationsmodus zu versetzen, in dem es wirklich effektiv arbeiten kann, bedarf es eigentlich nicht viel: Ein möglichst ruhiges Plätzchen ist das Wichtigste. Je weniger Ablenkung, desto besser. Da es natürlich kaum möglich sein wird, ohne Festnetzanschluss, Rechner, Mobilfunkempfang und WiFi-Verbindung zu arbeiten, muss der Wille zu ungestörtem Arbeiten schon da sein. Das Handy bewusst beiseite zu legen, Signaltöne abzuschalten oder den zweiten Bildschirm am Arbeitsplatz mal auf Standby zu schalten, kann hierbei sehr hilfreich sein.

Stille macht kreativ

Wer es schafft, unwichtige Reize auszublenden, um besser arbeiten zu können, hat diese Form der Selbstkontrolle sicher schon in jungen Jahren verinnerlicht. Dieses Arbeitsverhalten zu beherrschen, heißt: Wir können in einen Zustand der Hyperkonzentration, den sogenannten Flow, gelangen und uns zu Bestleistungen aufschwingen. Wohl dem, der sich auch im Chaos drumherum noch konzentrieren und auf eine Aufgabe fokussieren kann. Vielen Menschen gelingt das nicht, weil sie Ruhe und Stille kaum mehr kennen. Dabei ist „nichts hören – nichts tun – nichts denken“ die beste Entspannung fürs Gehirn. Stresspegel und Blutdruck sinken, kaum dass sich der Mensch in Ruhe auf sich selbst besinnt. Schon ein kurzer Ausflug in eine reizarme Umgebung, etwa in die Natur, wirkt Wunder. Aller Wirbel und alle Ablenkung sind plötzlich weit weg – man muss sich nur trauen, ab und zu mal den Stecker zu ziehen. Schauen Sie dazu gern auch unser Video „Ruhe stärkt unser Gehirn“ mit unserem Telearzt Dr. Johannes Wimmer.

Um Konzentration und Wahrnehmung zu schulen, können im Alltag auch meditationsähnliche Übungen helfen. So gibt es den Body Scan und ein besonderes Achtsamkeitstraining, das leicht zu erlernen und jederzeit durchführbar ist. Mehr Informationen zum Achtsamkeitstraining lesen Sie auf www.tk.de. Details zum Body Scan, der bei uns zum Herunterladen als MP3-Datei angeboten wird, finden Sie im Artikel „Mit Achtsamkeit zu mehr Entspannung“.