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3 | 2016

Das E-Magazine der Techniker Krankenkasse

Schaltzentrale der Superlative

100 Milliarden Nervenzellen – auch Neuronen genannt – sind im Gehirn für die Informationsbearbeitung zuständig. In welchem Hirnareal Gesehenes, Gehörtes und Erlebtes schließlich landet, hängt ganz davon ab, wie es abgespeichert wird. Ein vorübergehender Arbeitsspeicher steht uns dafür ebenso zur Verfügung wie ein Langzeitgedächtnis. Das Beste aber: Das menschliche Gehirn kann nach wie vor mehr als jeder aufwändig konstruierte Hochleistungscomputer.

Digital ist der Trend der Zukunft. Ob Smartphone, Tablet oder PC und Co. – die Übertragungs- und Computerleistungen unseres technischen Equipments sind kaum mehr zu toppen. Umso erstaunlicher, dass unser Gehirn auch heute noch als  „informationsverarbeitendes System“ der Spitzenklasse gilt: Im Gegensatz zum Computer ist es immer – also auch im Schlafmodus – aktiv und kommt mit einer minimalen Leistungsversorgung von umgerechnet etwa 20 Watt aus.

Elektrische Impulse bringen Informationen voran

Die Übertragung von Informationen geschieht über elektrische Impulse. Ein weiterverzweigtes Netz aus Neuronen sorgt für die Weiterleitung in die richtigen Hirnregionen. Die flüchtige Begegnung mit einem Straßenmusiker wird sicher nur im Ultrakurzzeitgedächtnis landen – und schätzungsweise vier bis zehn Sekunden lang gespeichert. Eine konkrete Erinnerung an sein Outfit oder seine Frisur haben wir somit hinterher einfach nicht. Aber der Ausflug in die Berge mit Kletterpartie und Picknick wird wohl im Langzeitgedächtnis abgelegt werden und uns dort lebenslang erfreuen.

Warum manche (womöglich unwichtigen) Ereignisse mühelos im Gedächtnis gespeichert werden können, und notwendiges Fachwissen nur mit großem Lernaufwand in den Langzeitspeicher „verfrachtet“ werden kann, erfahren Sie in diesem E-Magazine im Artikel „Erinnern – die Kunst des Weglassens“.

Pro Sekunde fünf Milliarden Bit

Lesen Sie auf den folgenden Seiten außerdem, wie die Sinne unsere Gehirnleistung beeinflussen. Und wie wir das Zusammenspiel von Hören, Sehen und Riechen im positiven Sinne für uns nutzen können. Allein über die Augen prasseln pro Sekunde Datenmengen von etwa fünf Milliarden Bit auf uns ein. Eine Größenordnung, die der Denkapparat jeden Tag mühelos bewältigt. Unfassbar, welche Datenmengen dabei aus- oder einsortiert, bewertet und vorbereitet werden. Zur Orientierung kann beispielsweise die Datenmenge dienen, die erreicht wird, wenn man eine Schreibmaschinenseite mit Text füllt: Dabei kommen nämlich gerade mal 15.000 Bit zusammen …

In den unterschiedlichen Gedächtnisarealen, über die jeder Mensch verfügt, herrscht lebenslang Hochbetrieb. So gibt es in der rechten Gehirnhälfte einen speziellen Speicherplatz für Erinnerungen an Erlebnisse. Reines Faktenwissen wird in der linken Gehirnhälfte gesammelt. Ein Gedächtnis für all die Bewegungsabläufe, die quasi automatisiert ablaufen, existiert im prozeduralen Gedächtnis. Ob Gehen, Radfahren, Autofahren oder Laufen – diese Bewegungsabläufe funktionieren zumeist ohne nachzudenken.

Ein klassischer Digitalcomputer – soviel ist klar – könnte all dies nicht bieten. Denn das menschliche Gehirn versetzt uns in die Lage, kreativ zu denken, zu abstrahieren und je nach Fakten, Gefühlen und Erfahrungen zu bewerten und zu entscheiden. Dass dies aber nur funktioniert, wenn wir uns Ruhepausen und ausreichend Schlaf gönnen, können Sie im Artikel „Information-Overload“ nachlesen. Dort erfahren Sie auch, warum der Mensch gar nicht multitaskingfähig ist und wie Sie es schaffen, wirklich konzentriert zu arbeiten.