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3 | 2017

Das E-Magazine der Techniker Krankenkasse

Warum die TK auf Digitalisierung setzt

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Die fortschreitende Digitalisierung im Gesundheitswesen birgt große Chancen und Nutzen für Patienten und Ärzte. Dr. Jens Baas, Vorsitzender des TK-Vorstands, erklärt, warum die TK auf eine digitale Zukunft setzt.

Fitnesstracker liegen im Trend und mit ihnen das Interesse vieler Menschen, ihre Gesundheit selbst zu vermessen. Derzeit hat das noch eher Spielcharakter. Doch wir werden aus dieser Spielphase herauskommen. So werden zum Beispiel bereits Sensoren entwickelt, die den Blutzucker, den Blutdruck oder die Temperatur messen. Führt man solche Daten zusammen und analysiert sie, wird es spannend und entfaltet Nutzen für Patienten und Ärzte: Das Blutzuckermessgerät spricht bereits mit dem Smartphone, Apps therapieren den Tinnitus, und telemedizinische Zentren überwachen schwerstkranke Herz- und Lungenpatienten, um ihnen den Krankenhausaufenthalt zu ersparen. Die digitale Zukunft hat auch im Gesundheitswesen längst begonnen.

Online-GesundheitsCoach voll im Trend

Allein im vergangenen Jahr haben mehr als eine halbe Million Menschen einen Online-GesundheitsCoach der TK genutzt. Und Umfragen belegen: Jeder zweite Versicherte möchte inzwischen online mit seinem Arzt kommunizieren. Zwei von drei Patienten wünschen sich eine digitale Plattform für den elektronischen Daten- und Informationsaustausch mit ihrer Arztpraxis. Und jeder Dritte will seinen Arzttermin elektronisch buchen können.

Wir wollen die Menschen aber auch davor schützen, dass ihre persönlichen Daten auf ungeschützten Plattformen kursieren, auf Servern außerhalb des Wirkungskreises des deutschen Datenschutzes. Diese Daten brauchen einen sicheren Hafen. Deshalb sollten alle Krankenkassen verpflichtet werden, jedem Versicherten eine elektronische Gesundheitsakte anzubieten. Denn Krankenkassen in Deutschland sind – und hier ist dies tatsächlich von Vorteil – reguliert und für etwaige Verstöße könnten sie unmittelbar zur Rechenschaft gezogen werden.

Der Patient muss Herr über seine Daten sein

Eine elektronische Gesundheitsakte sollte klassische medizinische Daten enthalten wie verordnete Medikamente, Krankenhausbefunde oder ambulante Diagnosen, aber auch Schnittstellen haben zu selbst erhobenen Daten zum Beispiel aus einem Fitnesstracker. Auch die Möglichkeit der Anforderung von Abrechnungsdaten der Krankenkassen in die Gesundheitsakte sollte gegeben sein. Technisch sollte eine solche Akte überall gleich sein. Über das, was sie darüber hinaus kann, können sich die Kassen dann im Wettbewerb unterscheiden und die Kunden können wählen.

Elementar sind zwei Punkte: Der Patient allein muss Herr über seine Daten sein. Nur mit seiner Zustimmung dürfen Dritte, wie zum Beispiel Ärzte, Zugriff auf die Daten haben. Und: keine Verknüpfung von Tarifen und Gesundheitsdaten! Das wäre grundfalsch. Eine anonymisierte Auswertung und Analyse der Daten könnte auch der Versorgungsforschung ganz neue Impulse geben. Ich bin überzeugt: Die nächste medizinische Revolution wird darin bestehen, vorhandene Daten intelligent zu nutzen und zu verknüpfen.